Mai-Regen macht schön

Wenn dieser Sinnspruch zutrifft, gewinnen wir zukünftig jede Miss- bzw. Misterwahl und sind noch unwiderstehlicher als zuvor! Denn wer hat bitte behauptet, dass das Wetter auf den Azoren täglich vier Jahreszeiten kennt, es schnelle Wetterwechsel gibt und niemals Dauerregen? Alles Lüüüüüüüge!!

Nach einer gemütlichen Nacht am Flughafen von Sao Miguel stiegen wir früh in den Flieger zur rund 250 km entfernten Nachbarinsel Pico. Es gab ein paar kleine Tropfen beim Abflug, denen wir jedoch keine Beachtung schenkten – ein schwerer Fehler, wie sich bei der Ankunft auf Pico herausstellte. Es schüttete, und zwar aus Gießkannen, Eimern und allen anderen Behältnissen, die zur Wasserlagerung dienlich sein können. War das Flugzeug falsch abgebogen und befanden wir uns im asiatischen Monsun? Zudem betrug die Sichtweite maximal 40 Meter, so dass wir rein gar nichts von unserem neuntägigen Aufenthaltsort zusehen bekamen. Beste Voraussetzung also, ein Zelt aufzubauen und überhaupt campen zu gehen!

Doch das konnte unsere Urlaubsfreude nicht bremsen, schließlich gibt es ja keinen dauerhaften Regen. Und die Einheimischen sagen: Gefällt dir das Wetter nicht, fahre ein paar Kilometer. Gesagt getan: ab ins Taxi des mitleidig dreinschauenden Fahrers und auf zum Campingplatz (aber nicht nach Madalena, wie ursprünglich geplant, sondern auf Anraten des Fahrers zum Zeltplatz in Sao Roque, dazu später mehr). Dumm nur, dass auch nach zehn Kilometern der Regen nicht Sonnenschein wich, im Gegenteil! Die Wasserbehältnisse dieser Welt hatten sich zu einer persönlichen Dauerregenwolke zusammengeschlossen und sich gegen uns verschworen. Daran konnte auch die frohe Botschaft der herzlichen Campingplatzbesitzer nichts ändern, von uns keine Gebühren zu erheben, weil sie noch nicht hundertprozentig mit der Instandsetzung des Platzes fertig seien. Diese wussten auch zu berichten, dass der Tag zuvor der heißeste des Jahres war – wie schön, leider heute aber REGEN REGEN REGEN!

Da auch der Wetterbericht Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Winterregen prophezeite, blieb uns nichts anderes übrig, als dem Wettergott den Stinkefinger zu zeigen und das Zelt aufzubauen. Und das ging noch nie so schnell und das war noch nie so nass. Nachdem alles an Ort und Stelle stand und eingeräumt war, lief uns das Wasser trotz bester Trekkingbekleidung in Bächen vom Körper. Aber: kurz nach dem letzten gesetzten Hering hörte es auf zu regnen, wunderbar, das Sprichwort stimmt also! Abgetrocknet und auf zum Minimercado, um ein paar Lebensmittel zu kaufen – jedoch falsch gedacht, der Regen hatte sich nur kurz ausgeruht, um nach 500 Metern mit neuer Intensität auf uns nieder zu prasseln. Doch Essen muss der Mensch nun mal und so erledigten wir brav unsere Einkäufe, bis uns das Wasser aus den Schuhen lief. Bei unserer Rückkehr schaute uns nun auch die Campingplatzbesitzerin mitleidig an und sagte uns einen Regenstopp ab 18 Uhr voraus – wie aufmunternd, wenn es 16 Uhr ist, man zum zweiten Mal völlig durchnässt wurde und sämtliche einheimische Wetter-Sprichwörter der Lüge überführt sind! Soll sie das doch anderen dummen Touris erzählen! Doch was sollen wir euch sagen? Um 18 Uhr schlug die Kirchturmglocke und es wurde trocken! Halleluja!

Und so versuchten wir alles, um die Klamotten zu dehydrieren, begaben uns in Flipflops ins nächste Restaurant und begannen unseren Urlaub auf Pico – mit Nudeln, Pizza, Hauswein und Pilsken – endlich!

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