Etappe 6 / Bevern – Detmold / 67km

Von Bevern aus ging es zunächst nach Holzminden an der Weser, wo wir mit dem Fluss auch die vierte Landesgrenze überquerten und ab jetzt in Nordrhein-Westfalen radelten. Die ersten zehn Kilometer verliefen optimal zum Warmfahren in der Ebene und hübsch gelegen am Fluss entlang.

Die nächsten zehn Kilometer bescherten uns dann einen langen Anstieg durch Ausläufer des Weserberglands. Oben angekommen hatten wir uns ein frühes Radler und eine schmackhafte Pfifferlingssupe redlich verdient. Im Biergarten in Vörden, das zum Kreis Höxter gehört, welcher wiederum dem Landkreis Westfalen-Lippe zuzuordnen ist, zu dem auch der Kreis Unna gehört, vernahmen wir daher auch erstmals den vertrauten Klang des heimischen Dialekts und fühlten uns sofort zuhause.

Weiterlesen

Etappe 5 / Langelsheim – Bevern / 90km

Alter Verwalter, das war ein ganz schöner Brocken! Auch wenn wir den Harz heute hinter uns gelassen haben, verabschiedete er uns mit zwei gepfefferten Anstiegen in der ersten Hälfte des heutigen Marathons.

Ansonsten war es eine recht unspektakuläre Tour. Nach einem nächtlichen Gewitter und den aktuellsten Wetterprognosen hatten wir anfangs die Befürchtung, dass wir einen Großteil des Tages in Regenkleidung bestreiten müssten – dem war aber zum Glück nicht so. Irgendwie folgte uns ein persönliches Sonnenloch und die dunklen Regenwolken blieben am Horizont. Der erste Anstieg und die zugehörige Abfahrt erfolgten noch auf nassen, schotterigen Waldwegen im Harz, der zweite dann immerhin auf Asphalt durch bäuerliche Weiden und Felder.

Weiterlesen

Etappe 4 / Thale – Langelsheim / 69km

Da die Dichte an Bäckern in Reichweite des Gasthaus Königsruhe eher dürftig ist, freuten wir uns über das angebotene Frühstück vor Ort. Die anschließende Prozedur aus Tasche packen, Sonnencreme und Poposchutz auftragen, anziehen und Räder beladen ist in der kurzen Zeit schon zu einer gut funktionierenden Routine geworden, so dass wir zeitig abfahrbereit waren. Wir versprachen der herzlichen Gastgeberin, einmal mit mehr Zeit im Gepäck wieder zu kommen und Wanderwege sowie Therme zu erkunden, und radelten los.

Auf den ersten Kilometern fühlten wir uns immer wieder wie in den Voralpen: viel Fachwerk, Hügel bewachsen mit Wiesen und Wäldern, ein ständiges auf und ab. Die Anstiege kamen uns weniger anstrengend vor (ist das etwa schon ein Trainingseffekt?) und die anschließenden Abfahrten zauberten uns jedes Mal ein breites Grinsen ins Gesicht.

Den ersten Zwischenhalt hatten wir für Wernigerode geplant. Bei der Anfahrt durch eine offenbar sozial schwächere Vorstadt fiel uns ein offen zur Schau gestellter Rechtsradikalismus auf, den wir so schon lange nicht mehr sehen mussten. Deutschlandfahnen an den Fahrrädern, Nazimucke aus den mobilen Lautsprechern, Tattoos und Kleidung mit entsprechender Symbolik, aber Montagmittags nichts besseres zu tun haben als auf einer Parkbank Dosenbier zu trinken. Einfach dumm und traurig.

Wir entschieden uns jedenfalls noch etwas weiter zu fahren und erst in einem kleineren Ort nach einem Eiscafé Ausschau zu halten. Der erste Versuch beim idyllischen Klosterzentrum Drübeck schlug fehl, da hier montags Ruhetag ist. Ein paar Kilometer weiter kommt aber das ebenfalls sehr idyllische Ilsenburg. Hier kauften wir als erstes einen neuen Ersatzschlauch beim lokalen Mountainbikehändler und ließen auch schnell die Sicherung der Bremsscheibe mit dem richtigen Werkzeug fest ziehen (die erforderlichen 40 Newtonmeter schafft man mit den Fingerkuppen dann doch nicht). Danach gab es einen Joghurtbecher spezial und einen Krokantbecher zu Mittag.

Der R1 hätte uns offiziell noch mindestens zwei steile An- und Abstiege auf Schotterpisten beschert und die anschließenden Passagen im Wald waren in keinem guten Zustand, wie uns zwei Holländer bestätigten, die uns entgegen kamen, da sie die Lektion mit dem Gegenwind aus westlicher Richtung im Sommer bereits gelernt hatten. Wir wichen also erneut von der offiziellen Route ab und kraxelten stattdessen auf asphaltierten Radwegen und Abschnitten der „Straße der Romantik“ in Richtung Niedersachsen.

Kurz nach der Grenzüberqzerung ins vierte Bundesland und somit kurz vor Goslar wunderten wir uns, warum die Anwohner so unheimlich viel Sperrmüll auf den Gehwegen plaziert hatten, bis uns klar wurde, dass diese Gegend vor wenigen Tagen noch überschwemmt gewesen war, als eine Talsperre wegen der starken Regenfälle übergelaufen war. Diese Erkenntnis war irgendwie sehr surreal, denn heute schien die Sonne, die Bäche plätscherten dahin und der Marktplatz in der Goslaer Altstadt sah aus wie geleckt. Beinahe unvorstellbar, dass hier knietief schlammiges Wasser stand.

Von Goslar aus rollten wir entlang einer weniger malerischen Landstraße hinab bis nach Langelsheim, wo wir wieder auf den R1 trafen, auf dem es auch morgen wieder weiter in Richtung Nordrhein-Westfalen geht. Für heute war aber erst einmal Schluss. Der einzige geöffnete Italiener „Da Nico“ war zum Glück ein echter Volltreffer und so besiegelten wir den vierten Tag mit grandioser Pasta.

Morgen steht wieder eine längere Tour im Routenplaner, da wir die schönen Harzer Berge größtenteils bereits bewältigt haben und wir ja jetzt trainiert sind. Also geht es jetzt besser mal ab ins Bett.

Etappe 3 / Straßfurt – Thale / 57km

Um etwas mehr Zeit im Schloss verbringen und das Frühstück in Ruhe genießen zu können, haben wir uns noch am Vorabend dazu entschieden, die heutige Etappe nicht vollständig auf dem R1 zu absolvieren und so etwa 25 Kilometer zu sparen. Nach den gestrigen Strapazen mit dem Gegenwind wollten wir so außerdem die Beine etwas schonen. Eine Weise Entscheidung wie sich herausstellen sollte.

Nach dem ausgiebigen Frühstück haben wir als erstes mit den beiden 9 Wochen alten Bulldoggen Charlie und Billy gespielt, die von einem Paar aus Kanada in der Umgebung vom Züchter abgeholt wurden. Very international und very cute 🙂

Weiterlesen

Etappe 2 / Bad Belzig – Straßfurt / 95km

Guten Morgen aus Bad Belzig! Nach einer angenehmen Nachtruhe haben wir entspannt die Taschen befüllt, sind in unsere frisch gewaschenen Radhosen gestiegen und haben uns auf den Weg zum Bahnhof gemacht, um ein kleines Frühstück zu ergattern. Außerdem wollten wir herausfinden, wie es sich anfühlt, auf den Regionalexpress zu warten, um die heutige Etappe zu halbieren. Bei Kaffee und Croissant entschieden wir aber recht schnell, dass wir früh genug dran und motiviert genug sind, um uns bereits an Tag Zwei auf die mit 90 geplanten Kilometern längste Etappe der Tour zu begeben.